Gedanken über die Grunderziehung von Pferden
(Nikolaus Bernard)
Seit der Mensch mit Pferden zu tun hat, reitet und fährt, ist über dieses Thema nachgedacht worden. Aus Verhaltensforschung, Biologie und praktischen Erfahrungen von Pferdekennern stehen uns Erkenntnisse und Aussagen zur Verfügung.
Eine der Voraussetzungen für erfolgreiche partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd ist die Kenntnis seiner Psyche. Die existierende Literatur, z.B. von Schäfer, Trumler, Zeb, Grzimek u.s.w. gibt Aufschluß über Sinnesorgane, psychische Anpassung, Sozialleben von freilebenden und domestizierten Pferden. Andere wieder, wie Blendinger, Tellington- Jones, Maday, gehen auch auf den Zusammenhang zwischen Psyche und Training, wenn auch etwas schematisch, ein.
Ich will mich in erster Linie mit Kommunikation zwischen Pferd und Mensch und dem Lernen befassen.
Wenn wir mit einen Pferd in Kontakt treten, sei es das erste oder tausendste Mal, müssen wir es von der Weide holen oder im Stall aufhalftern, putzen, satteln, aufzäumen - alles Tätigkeiten, die es von Natur aus in Panik versetzen würden. - Das Pferd ist nämlich auf das Gegenteil programmiert:
Die Frage ist also: Wie können wir diese, unseren Zielen so konträren Verhaltensweisen, Triebe, Instinkte für das in (vielleicht sogar freudige) Mitarbeit umwandeln.
Ich schlage zur Verbesserung des Verständnisses folgende Punkte vor:
1. Territoriale Ansprüche beachten! Flucht- und Individualdistanz können sehr gut für das Training ausgenützt werden.
2. Rangordnung - ermöglicht gegenseitigen Respekt ohne Furcht.
3. Aufmerksamkeit - auf wen oder worauf ist diese gerichtet und wieviel oder wie wenig Zutun unserseits ist notwendig, um sie zu gewinnen und erhalten? Nur entspannte Aufmerksamkeit nützt bei der Ausbildung, Aufmerksamkeit aus Angst blockiert die Lernfähigkeit.
4. Bequemlichkeit des Pferdes ausnützen!
Ein weiterer Aspekt, um Pferde erziehen oder Untugenden korrigieren zu können, ist die Kenntnis von Lernstrategien.
1. Gewöhnung:
Diese brauchen wir bei der Grunderziehung. Intensität und Dauer sind ausschlaggebend für den Erfolg.2. Konditionierung:
Ein neues Zeichen wird mit einer vertrauten Handlung verbunden. Man vermutet, daß Belohnung bei dieser Lernform nicht so wesentlich ist.3. Lernen durch zeitliche Abstimmung:
Wenn in einer Situation eine bestimmte Handlung erfolgt, ist es wahrscheinlich, daß bei einer gleichen Situation wieder das gleiche Verhalten auftritt.4. Lernen durch Versuch und Irrtum:
Eine neue Reaktion wird durch Signal - Belohnung (oder Bestrafung) hervorgelockt.5. Latentes Lernen:
Es erfolgt ohne direkte Belohnung, z.B. bestimmte Orte oder den Heimweg merken.6. Lernen durch Nachahmung:
7. Lernen durch Einsicht:
Ist beim Pferd weniger ausgeprägt, da es assoziiert und nicht logisch denkt.8. Prägung:
Nur während eines kurzen Zeitraums im frühesten Lebensalter möglich (Prägephase).Lernen schließt
- zeitliche Koordination
- Wiederholung
- Verstärkung
- Generalisierung
- Unterscheidung und
- Vergessen ein.
Bekannt ist außerdem, daß das Gedächtnis des Pferdes sehr leistungsfähig ist; sie erinnern sich z.B. Orte, Laute, Personen, Gerüche, Geschmäcker und Tiere, deren eigentümliche Bewegungen sowie gefährliche und ungefährliche Situationen.
Von Büchern über die Behandlung von Untugenden bei Pferden möchte ich sagen, daß einige Autoren für mich völlig unzureichende Lösungen anbieten. z.B. wenn ein Pferd beim Aufsitzen nicht ruhig stehenbleibt, benötigt man laut Ulrike Schramm sechs Leute zum Festhalten.
Bei der Auswahl der Lernmethode lasse ich mich vom aktuellen Zustand des Pferdes leiten, obwohl Alter, Dauer der Angewohnheit und Geschichte des Pferdes auch eine Rolle spielen. Zur Änderung der Angewohnheiten
Beispiel: Ein Schläger wird immer wieder zum Ausschlagen provoziert, bis er aufhört.
Bei jeglicher Erziehungsarbeit spielt nicht so sehr die Technik eine Rolle, sondern die Philosophie!
(c) Nikolaus Bernard